Das Gebäude hatte sich für Mara nie lebendig angefühlt – bis zu der Nacht, in der es beschloss, sie zu bemerken.Tagsüber war es nur Glas, Stahl und höflicher Ehrgeiz. Aufzüge öffneten und schlossen sich wie mechanische Lungen.

Doch nach Feierabend war die Stille nicht leer. Sie war wachsam.Um 20:47 Uhr schaltete Mara ihren Computer aus und ging zu den Aufzügen.Einer war noch in Betrieb.Sie drückte 12.Der Aufzug ruckte.Die Anzeige flackerte.

Es gab keinen 13. Stock.Die Türen öffneten sich.Der Flur sah völlig normal aus.Genau das war beunruhigend.Grauer Teppich. Helle Wände. Gedämpftes Licht.Aber die Luft war dichter.Sie trat hinaus.„Archive“ stand auf einer Tür.

Leises Tippen.Am Ende des Flurs: ein Glasbüro. Ein Mann am Schreibtisch.„Daniel?“Er drehte sich um.Unverändert. Wie vor drei Jahren.„Du solltest nicht hier sein“, sagte er ruhig.Hinter ihm: Aktenschränke. Hunderte. Mit Namen.

Der nächste trug ihren.„Das ist die Etage dazwischen“, sagte er. „Hier bleiben unfertige Dinge.“„Unfertige was?“„Leben.“Ein Schubfach öffnete sich von selbst.Ihr Name.Das Licht erlosch.Sie rannte.Schritte folgten ihr.

Der Aufzug klingelte.Sie sprang hinein. Drückte 12.Die Türen schlossen sich.13 verschwand.Ihr normaler Stock. Neonlicht. Reinigungswagen.Sicher.Zurück an ihrem Schreibtisch flackerte ihr Bildschirm auf.Eine neue E-Mail.

Von: Archivabteilung.Vorschau:„Ihre Akte wurde aktualisiert.“Irgendwo tief im Gebäude bewegte sich etwas.